Zwei Kerle mit dem Feuer-Gen
Kohledunst. 500 Grad. Ein lautes Zischen verkündet den Sauerstoff in der Esse, das Hochschlagen der Flamme. Die entzündet den Raum einen Moment hell. Die „Kleine Spreewaldschmiede“ ist wohl temperiert. Der Meister zieht das glühende Eisenstück aus dem Feuer. Schnell muss es auf den Amboss. Sogleich schwingen sie die Hämmer, mit Kraft fahren sie auf das Metall nieder. Und nochmal, hin, her… Langsam ergibt sich das Eisen, wird dünn, flach, zu einem Hufeisen. In einer Schmiede scheint es, als fielen wir aus der Zeit und Raum.
Trudeleisen, Feuer- und Eishaken, Äxte, landwirtschaftliche Geräte – im Spreewald hat das Schmiedehandwerk eine lange Tradition und leider hier auch ein Problem: Den „Jungen“ fehlt es zunehmend an nötigem „Feuer“ für das „Alte“. Ganz anders ist das bei Rick Jurisch und Martin Hampe. Dem Team von der „Kleine Spreewaldschmiede“ in Stradow bei Vetschau kann es gar nicht heiß genug werden.
Rick Jurisch, der 29ig-JährigeSpreewälder, wollte schon als Kind Schmied oder Steinmetz werden. „Das muss wohl an meinen Vorfahren liegen, ich habe halt ein Feuer-Gen“, sagt er, dessen einer Großvater ebenfalls Schmied war. „Zudem ist es einfach toll, etwas mit den eigenen Händen zu schaffen, zu sehen, wie Grobes zu Filigranem wird.“ Aus dem Spreewald wollte er nie weg, auch wenn ihn sein Weg erst einmal nach Berlin führt. Wer Schmied werden möchte, lernt heute Metallbauer mit Fachrichtung Metallgestaltung, z.B. in der Hauptstadt. Rick Jurisch ist nach 3,5jähriger Ausbildung einer der wenigen Jahresabsolventen. „Es kommen ungefähr 24 Leute pro Jahr von den drei Schulen deutschlandweit“, verrät er. Er selbst setzt noch den Metallbaumeister obenauf und kann später seinen alten Lehrklassenkumpel Martin Hampe (auch 29 Jahre alt) für sein Projekt gewinnen.
Feuer und Metall sind bereits die Leidenschaft des jungen Rick. Schon in Kindertagen experimentiert er herum. Kein Wunder also, dass er von den ersten „Lehrpfennigen“ einen Amboss erwirbt. Mit der Zeit kommen immer mehr Werkzeug und Notwendiges für die Passion dazu. 2016 geht der frisch gebackene Schmiedemeister ins Risiko, macht sich selbstständig und holt als Gesellen Martin Hampe aus dem Märkischen in den Spreewald. Gemeinsam bauen sie den alten Stall auf dem Hof der Großeltern Jurisch um und die „Kleine Spreewaldschmiede“ heizt dauerhaft die Esse an.
Heute sind die Metallgestalter spezialisiert auf Restaurierung und Rekonstruktion. Sie erwecken wunderschöne Zäune und Tore zu neuem Leben, machen Scharniere, Türschlösser, altes Gerät wieder nutzbar. Aber das ist längst nicht alles. Die „Kleine Spreewaldschmiede“ sind die Einzigen, die einen bestimmten Greif- und Hebelhaken zum Transport von Baumstämmen herstellen. Sie gehören zu den Wenigen, die Trudeleisen und Original Spreewälder Eishaken schmieden. „Trudeleisen werden im Spreewald von den Kahnfährleuten gebraucht. Sie gehören auf das untere Ende der Rudel, den Stangen zum Staken. Wenn wir mit unserer Feldschmiede auf den Märkten sind, können die Eisen auch direkt feuerverschweißt montiert werden und die Kahnleute brauchen nicht extra zu uns in die Werkstatt kommen“, erklärt der Geselle Hampe. Er präsentiert dabei gleich noch eine Auswahl an Dingen, die in der kleinen Spreewaldschmiede und in der Feldschmiede „on the road“ hergestellt werden: Messer, Äxte, Kerzenständer, Kunstgegenstände. „Die Original Spreewaldhaken werden ebenfalls an Stangen montiert. Die einen dienen zum Runterreißen von Schilf auf den Dächern, wenn es brennt, während die anderen als Sicherheitshaken genutzt werden, wenn die Spreewälder im Winter über zugefrorene Fließe wandeln.“
Den Spaß an der Arbeit ist den Beiden, leicht in die Heavy Metal Richtung zu verortenden „Feuerteufeln“, zu spüren. „Natürlich müssen wir überleben und da kann es immer besser sein. Aber uns ist vor allen Dingen die Freiheit wichtig, tun zu können, was Freude macht“, schwärmt Meister Rick Jurisch über sein Berufsleben. Dass er und sein Geselle Martin ein gutes und äußerst lustiges Team sind, davon können sich Besucher so mancher Märkte überzeugen. Während die Beiden über einzelne Arbeitsabläufe keine großen Worte mehr verlieren brauchen, gelten sie auf den Märkten, wie Martin sagt, als „eisenverbiegende Waschweiber“ und sorgen mit viel Witz für lockere Atmosphäre. Interessierte können die Feldschmiede nebst lustigen Schmiedeleuten übrigens auch gern für ein Event buchen.
Noch intensiver wird das Kennenlernen natürlich bei einem Schmiede-Workshop vor Ort. „Wir geben gern Einblick in unsere tägliche Arbeit und teilen unser Wissen. Die Teilnehmer können sich dabei ausprobieren oder weiterbilden. Wir sind ganz nah dran und am Schluss sollen sie ein gutes Gefühl haben. Das Tolle am Metall ist ja, dass alles möglich ist. Da hast Du einen dicken Klumpen irgendwas und mit einer guten Idee wird es am Ende ein ‚Traum aus Stahl‘“, sagt der Meister.
Auf dem Gelände des Bauernhofs hat Rick Jurisch noch viel vor. Mit Blick über die eigenen Felder erklärt der junge Schmiedemeister: „Es wird weiter ausgebaut. In die Scheune kommen irgendwann ein paar Ferienwohnungen. Dann bleiben die Besucher gleich über Nacht und wir können abends am Lagerfeuer ein bisschen quatschen…“ Und apropos, da gab es doch diese Geschichte? „Ja. In der Tat haben wir des Teufels Huf beschlagen. Soviel sei verraten: es trug sich seinerzeit in Leipe zu, dass ein Wirt bestohlen wurde. Damit sich der Vorgang nicht wiederhole, bat der Gastwirt uns dazu. Wie wir dem Teufel einen eisernen Schuh verpassten, was eine Ochsenkette damit zu tun hatte und ob wir unsere Seele verkaufen mussten, dass erzählen wir gern – natürlich am Feuer einer oder der ‚Kleine(n) Spreewaldschmiede‘.
Die nächste Gelegenheit die Feldschmiede von Meister Rick und seinem Gesellen Martin zu besuchen um das Ende der Geschichte zu hören oder noch ein tolles metallenes Weihnachtsgeschenk zu erwerben, ergibt sich am ersten und zweiten Adventswochenende in Lehde sowie am dritten Wochenende in Teupin bei Großköris oder jederzeit auf www.kleine-Spreewaldschmiede.de.
Cornelia Meißner
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